Radverkehrsinfrastruktur

Die Förderung des Radverkehrs hat in Brühl eine lange und bewährte Tradition. Schon Anfang der 80er Jahre wurden eigene Fahrspuren für Radfahrerinnen und Radfahrer abmarkiert, Einbahnstraßen in Gegenrichtung geöffnet und die Fußgängerzone für den Radverkehr freigegeben. Mit der Aufnahme in die Arbeitsgemeinschaft der fahrradfreundlichen Städte und Gemeinden im Jahr 1993 erhielt die Radverkehrsförderung in Brühl einen zusätzlichen Schub.

Neue Radfahrstreifen und Schutzstreifen

Um das städtische Radwegenetz zu vervollständigen, führte die Stadt Brühl 1995 umfangreiche Markierungsarbeiten auf zahlreichen Gemeinde- und Landesstraßen durch. Das Markierungsprogramm umfasste insgesamt rund 20 Kilometer Radfahrstreifen und Schutzstreifen: Auf sieben städtischen Straßen wurden - überwiegend beidseitig - fast sieben Kilometer Schutzstreifen markiert. Besondere Bedeutung hatte dabei die Sicherung von Schulwegrouten.

Die Ausweisung von Radfahrstreifen und Schutzstreifen auf Landesstraßen stellt eine Be-sonderheit dar: Klassifizierte Straßen spielen als Nord-Süd- und West-Ost-Verbindungen in Brühl eine wichtige Rolle für den Radwegenetzschluss, sie sind jedoch von einer Förderung ausgeschlossen. Der Landschaftsverband Rheinland als Straßenbaulastträger konnte von der Bedeutung seiner Straßen für das Brühler Radwegenetz überzeugt werden. Eine Verwaltungsvereinbarung zwischen dem Landschaftsverband und der Stadt stellte die Finanzierung der Markierungsarbeiten sicher. Die Stadt finanzierte die Maßnahmen vor, der Baulastträger erstattete die Kosten über einen Zeitraum von zwei Jahren zurück. So konnten 13 Kilometer Radfahrstreifen und Schutzstreifen auf Landesstraßen markiert werden.

Fahrradfreundliche Kreuzungen

Da Kreuzungsbereiche die größten Gefahrenpunkte für den Radverkehr darstellen, wurde ein besonderes Augenmerk auf die sichere und fahrradfreundliche Umgestaltung von Knotenpunkten gelegt. Radlerinnen und Radler sollen Kreuzungen bequem, sicher und direkt passieren können. Besonders erwähnenswert sind folgende Maßnahmen:

Kreuzungsbereiche "An der Villebahn"

Mit dem Umbau der alten Eisenbahnstrecke "An der Villebahn" zu einer Veloroute hat die Stadt Brühl einen wichtigen Schritt zur Förderung des Radverkehrs getan. Die autofreie Villebahn bildet zusammen mit der Leipziger Straße ein wichtiges Teilstück der Nord-Süd-Route parallel zur stark befahrenen Römerstraße. Aufgrund ihrer großen Bedeutung im Brühler Radverkehrsnetz haben Fahrräder hier konsequenterweise Vorfahrt in Kreuzungsbereichen. Bei den Straßen handelt es sich meist um untergeordnete Straßen mit geringem Verkehrsaufkommen innerhalb von Tempo 30-Zonen. Der bevorrechtigte Radweg wird vor allem von Schülerinnen und Schülern genutzt und ist eine wichtige Verbindung zwischen den Ortsteilen Brühl-Vochem und Brühl-West.

Kreuzungsbereiche Kaiserstraße/Friedrichstraße/Kurfürstenstraße und Liblarer Straße/Uhlstraße/Pingsdorfer Straße

Beide Kreuzungen wurden durch umfangreiche Markierungsarbeiten - Radfahrstreifen, Schutzstreifen, aufgeweitete Aufstellflächen vor dem Kfz-Verkehr, eigene Linksabbiegespuren für den Radfahrer - fahrradfreundlich umgestaltet; für den Linksabbiegeverkehr Kaiserstraße/Kurfürstenstraße wurde zusätzlich die Möglichkeit des indirekten Linksabbiegens geschaffen. Um die Sicherheit zu erhöhen, signalisierte man die Kreuzungen fahrradfreundlich, d. h. Radfahrerinnen und Radfahrer erhalten ein Vorlaufgrün von zwei bis vier Sekunden.

Bei dem Kreuzungsbereich Liblarer Straße/Uhlstraße/Pingsdorfer Straße steht der Umbau zum Kreisverkehr unmittelbar an.

Öffnung von Einbahnstraßen

Bis Ende 1997 sind flächendeckend alle Einbahnstraßen für den gegenläufigen Radverkehr geöffnet worden. Für die Radfahrerinnen und Radfahrer bedeutet dies eine wesentliche Zeitersparnis, da unnötige Umwegfahrten entfallen. Die Öffnung von Einbahnstraßen ist ein wichtiger Schritt, um das Fahrrad als Kurzstreckenverkehrsmittel attraktiver zu machen und Brühl noch stärker zu einer "Stadt der kurzen Wege" umzugestalten.

Fahrradabstellanlagen

Zur Stärkung des Umweltverbundes entstanden entlang der Stadtbahnlinie 18 an allen Haltepunkten im Brühler Stadtgebiet überdachte Bike & Ride Anlagen mit insgesamt 371 Fahrradstellplätzen. Zudem verfügen die Haltepunkte Mitte und Nord über abschließbare Fahrradboxen. Am DB Bahnhof Kierberg (DB-Strecke Köln-Trier) steht eine überdachte Anlage für 29 Fahrräder und 10 abschließbare Fahrradboxen.

In der Brühler Innenstadt entstanden insgesamt 573 neue Fahrradständer. Schwerpunkte waren dabei die für den Radverkehr freigegebene Fußgängerzone - hier wurde eine Vielzahl von Fahrradständern in unmittelbarer Nähe der Geschäfte errichtet - sowie drei städtische Schulen. Die neuen Abstellanlagen an den Schulen sind größtenteils überdacht.

Radstation am DB Bahnhof

Seit Sommer 2000 steht den Bürgerinnen und Bürgern am Brühler DB-Bahnhof (Strecke Köln-Koblenz) eine Fahrradstation mit 340 Stellplätzen (nachträgliche Erweiterung um 40 Plätze) zur Verfügung. Durch eine teilautomatisierte Anlage mit Chipkartensystem ist die Station auch außerhalb der offiziellen Öffnungszeiten für Monats- und Jahreskunden zugänglich.
Die Radstation wird privatwirtschaftlich von einem Brühler Fahrradhändler betrieben, der sein Fahrradgeschäft in die Radstation integriert hat. Er wirtschaftet völlig eigenständig und trägt sämtliche Unterhaltungs- und Instandsetzungskosten. Neben der Bewachung zählen Fahrradverleih, Reparatur und Zubehör zu den Kernfunktionen der Brühler Radstation. 2003 war die Radstation für den Wettbewerb best-for-bike als wirtschaftlichste Radstation nominiert worden.
www.radstation-bruehl.de

Öffentlichkeitsarbeit

Unter dem Motto “Brühl – Stadt der kurzen Wege“ betreibt die Stadt seit Jahren eine intensive Öffentlichkeitsarbeit, die die Bürgerinnen und Bürger über die Vorteile des Radfahrens und über aktuelle Maßnahmen informiert. Werbe- und Informationsveranstaltungen zum Thema Radverkehr (Aktion „Kilometerzähler“, Brühler Fahrradfeste, Verkehrssicherheitstage, Aktionstag 50 + und Senioren, geführte Fahrradtouren, Mobiles Brühl, Lokale Agenda-Tag u.ä.) fanden in den letzten Jahren immer wieder regen Zuspruch der Brühler Bevölkerung.

Radfahrstadtplan

Bereits in seiner vierten Ausgabe erschien Anfang 2013 der Radfahrstadtplan der Stadt Brühl. Der Plan basiert auf einer detailreichen Stadtplangrundlage, in der die bestehenden ausgeschilderten Radwegeverbindungen dargestellt sind. Die Radwege sind hierbei unterteilt in Führung mit Autoverkehr oder autofrei, weiter sind ausgeschilderte Themenrouten sowie zwei Rundtouren gekennzeichnet. Auf der Rückseite befinden sich Informationen zum Fahrradfahren in Brühl, u.a Hinweise zu Verknüpfungsmöglichkeiten von Rad und ÖPNV, Internetadressen für die Tourenplanung, die Brühler Radstation und touristische Attraktionen. Der Radfahrstadtplan ist im zentralen brühl-info kostenlos erhältlich.

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