Presse-Detail

ADFC Fahrradklimatest 2018: Allgemeine Unzufriedenheit bei Radfahrern

AGFS-Kommunen Bocholt und Reken belegen ersten Platz

11.04.2019 (Krefeld/Köln) Das Fahrradklima in deutschen Städten hat sich erneut verschlechtert. Das ist das Ergebnis des Fahrradklimatests 2018, das der ADFC am Dienstag (09.04.2019) in Berlin vorgestellt hat. Mit einer Gesamtschulnote von 3,9 bewerten die 170.000 Teilnehmenden die Verhältnisse für den Radverkehr gerade mal als „ausreichend“. Wie schneiden die AGFS-Mitglieder ab?

Auf Landesebene in Nordrhein-Westfalen gehen die ersten Plätze in allen sechs Größenkategorien an Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in NRW (AGFS NRW). Auf Bundesebene belegen Bocholt (50.000 – 100.000 EW) und Reken (< 20.000 EW) mit überdurchschnittlichen Bewertungen den ersten Platz in der jeweiligen Größenklasse, Münster (200.000 – 500.000 EW) den zweiten und Rees (20.000 – 50.000 EW) den dritten. Zu den großen Verlierern der AGFS-Städte zählt Köln. Mit der Gesamtnote von 4,38 landet die Großstadt auf Platz 14 von 14 Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern. Bundesweit wurden 683 Städte bewertet, 168 in Nordrhein-Westfalen.

Gute Platzierungen -  wenig Grund zur Freude

„Wir freuen uns über die guten Platzierungen unserer Kommunen beim Fahrradklimatest. Dass unsere Mitglieder gegenüber anderen Städten und Gemeinden in NRW die Nase vorn haben, zeigt: Unsere Arbeit trägt Früchte. Insgesamt sind die Bewertungen aber dennoch ernüchternd“, urteilt Christine Fuchs, Vorstand der AGFS, über das Ergebnis. 63 der insgesamt 87 Mitglieder des kommunalen Vereins wurden 2018 bewertet. In der Wahrnehmung der Teilnehmer schnitten 15 davon im Vergleich zu 2016 mit einer  „starken Verschlechterung“ ab. Bei fast allen anderen wurde der Zustand entweder mit „leichte Verschlechterung“ oder im besten Fall mit „relative Konstanz“ bewertet. Auf Bundesebene sieht es nicht besser aus. Kritisiert wurde vor allem, dass viele Radwege zu schmal sind oder von Falschparkern blockiert werden. „Wir nehmen das Ergebnis dieser Umfrage sehr ernst und sind bereits dabei, Lösungen zu finden, wie wir die Radverkehrsförderung in unseren Mitgliedskommunen besser vorantreiben können“, ergänzt Fuchs. Der ADFC Fahrradklimatest ist nicht repräsentativ, gilt aber als Stimmungsbarometer.

Radverkehrsförderung in NRW

Noch in den 8oer Jahren hat das Thema Radverkehr in der politischen Diskussion in Deutschland kaum stattgefunden. 1993 haben 13 Kommunen mit Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen die AGFS NRW gegründet, um den Radverkehr voranzubringen. Seitdem ist bereits viel passiert. In den letzten zehn Jahren ist das Thema auch in der öffentlichen Diskussion immer stärker vertreten und der Druck von Seiten der Bürger wächst.

Dennoch gibt es Hürden, die einen schnelleren Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur drosseln. In Deutschland liegt die Planungshoheit überwiegend bei den Kommunen. Dort herrscht häufig ein Mangel an finanziellen Mitteln sowie an qualifiziertem Personal. Denn es gibt nicht genügend Verkehrsingenieure. Hinzu kommt der Platzmangel in den Städten.

Mit der Planungshoheit haben die Kommunen nicht nur die Pflicht sondern auch das Recht und die Chance, die städtebauliche und verkehrliche Zukunft selbstverantwortlich zu gestalten. Das bedeutet auch mutige Entscheidungen zu treffen und mehr öffentliche Flächen für die Nahmobilität zu nutzen, zum Beispiel indem das Autoparken neu geordnet wird. Dadurch entstehen Widerstände, welche die AGFS NRW durch einen konstruktiven Ansatz zu lösen versucht, der alle Parteien einbindet.

Die AGFS

Die AGFS steht seit 1993 für das Leitbild „Die Stadt als Lebens- und Bewegungsraum“. Die 87 Mitglieder des kommunalen Vereins verstehen sich als Vorreiter für eine gesunde und ökologisch sinnvolle Mobilität. Gemeinsames Ziel ist es, zukunftsfähige, belebte und wohnliche Städte zu gestalten, in denen Lebens- und Bewegungsqualität im Vordergrund stehen.