Mitglied des Präsidiums: Dr. Christian Schulze Pellengahr, Landrat im Kreis Coesfeld

Herr Landrat Dr. Schulze Pellengahr, Sie engagieren sich bereits seit mehreren Jahren im Präsidium der AGFS NRW. Wie hat sich die Arbeit im Präsidium im Laufe der Jahre verändert?
Die AGFS NRW hat sich in den vergangenen Jahren insgesamt gut entwickelt und ist längst akzeptierter Partner des Landes rund um alle Fragen der Nahmobilität. Erfreulich hat sich auch die Zahl der Mitglieder entwickelt, womit ebenfalls die Bedeutung der AGFS gestärkt worden ist. Dies alles blieb nicht ohne Einfluss auf die Arbeit im Präsidium, das gemeinsam mit Frau Fuchs und ihrem Team in der Geschäftsstelle in Krefeld die Nahmobilität in NRW nach Kräften fördern und voranbringen möchte. Bisher ließ sich dieses zentrale Ziel in einem kleinen, gerade einmal aus drei Köpfen bestehenden, Präsidium noch schultern. Um künftig aber die Teilregionen in NRW noch besser in die Präsidiumsarbeit mit einzubeziehen, hat die letzte Mitgliederversammlung die Erweiterung des Präsidiums beschlossen, so dass ich mich auf die neu hinzugewählten Kolleginnen und Kollegen sehr freue. Gemeinsam wollen wir uns gerne weiterhin für das Gelingen einer Mobilitätswende in ganz NRW einsetzen, ein Thema, bei dem es weiterhin einen langen Atem und viel Überzeugungskraft brauchen wird.
Welche Themen werden Ihrer Meinung nach die AGFS NRW in den kommenden Jahren besonders fordern und wo sehen Sie die größten Chancen?
Die AGFS NRW wird in den kommenden Jahren vor allem die Aufgabe fordern, die Mobilitätswende trotz knapper Flächen, begrenzter kommunaler Haushalte und nach wie vor langer Planungsprozesse weiter konsequent voranzubringen. Insbesondere die sichere Umverteilung des öffentlichen Raums zugunsten von Fuß‑ und Radverkehr bleibt aus meiner Sicht ein sensibles, aber zentrales Thema – sowohl in größeren Städten als auch im ländlichen Raum. Gleichzeitig steigt der Erwartungsdruck, Maßnahmen schneller sichtbar umzusetzen und Akzeptanz durch gute Kommunikation und Beteiligung zu schaffen. Eine große Chance liegt im starken Netzwerk der AGFS: Kommunen können voneinander lernen und praxiserprobte Lösungen übernehmen, etwa durch die AGFS-Umsetzungsinitiative „einfach x einfach” oder gemeinsame Standards. Gelingt es, Nahmobilität landesweit als selbstverständliche Basismobilität zu verankern, stärkt dies nicht nur den Klimaschutz, sondern auch Lebensqualität, Gesundheit und Verkehrssicherheit.
In ländlichen Räumen werden bereits verschiedene Projekte zu Mobilitätsalternativen erprobt. Der Kreis Coesfeld geht hier mit gutem Beispiel voran. Welche Impulse aus Ihrer Arbeit im Präsidium konnten Sie konkret in Ihren Kreis mitnehmen?
Die Arbeit im Präsidium der AGFS NRW hat meinen Blick dafür geschärft, dass ländliche Räume eigene, passgenaue Lösungen für nachhaltige Mobilität benötigen – und keine verkleinerte Kopie urbaner Konzepte. Impulse wie der konsequente Netzausbau für den Alltagsradverkehr, die Verknüpfung von Rad und ÖPNV sowie ein schrittweises Vorgehen im Bestand konnten wir im Kreis Coesfeld gezielt aufgreifen. Das zeigt sich konzeptionell etwa im kreisweiten Radverkehrskonzept, den geplanten Velorouten und der engen Zusammenarbeit mit unseren Städten und Gemeinden. Die interkommunale Kooperation ist sehr gewinnbringend und mündet auch in greifbare Projekte, etwa den fahrradfreundlichen Ausbau der Kanalseitenwege entlang des Dortmund-Ems-Kanals oder auch das kreisweite digitale Lastenradsharing. Wichtig finde ich auch die Vorbildfunktion der Kommunen, weshalb wir uns als Kreisverwaltung bereits zweimal in Folge erfolgreich als „Fahrradfreundlicher Arbeitgeber“ haben zertifizieren lassen.