Mitglied des Präsidiums: Michael Stickeln, Landrat im Kreis Höxter

Herr Landrat Stickeln, welche Erfahrungen aus Ihrem beruflichen oder kommunalen Alltag möchten Sie besonders in die Arbeit der AGFS NRW einbringen?
Mobilität – und damit auch der Radverkehr – findet im ländlichen Raum unter ganz anderen Vorzeichen statt als in urbanen Ballungsgebieten. Diese Perspektive möchte ich auch im Präsidium der AGFS NRW vertreten. Mit vielen Rad-, Feld- und Wirtschaftswegen hat unser Kreis Höxter eine sehr gute Radinfrastruktur. Diese eignet sich ganz hervorragend sowohl für Radtouren in der Freizeit oder im Urlaub als auch für den täglichen Weg zur Arbeit.
Um das zu testen, bin ich gemeinsam mit dem Vorsitzenden unseres Kreissportbundes, Thorsten Schiller, im Jahr 2022 die rund 50 Kilometer von meinem Heimatort Warburg bis zu meinem Dienstort Höxter gefahren – und natürlich auch wieder zurück. Über diese tolle Tour durch unsere schöne Heimat habe ich dann auch über meine Social-Media-Kanäle berichtet und sehr viele positive Kommentare von Menschen erhalten, die das Fahrrad als festen Bestandteil ihrer alltäglichen Mobilität im ländlichen Raum nutzen.
Wenn Sie an die Mobilität von morgen in NRW denken: Welcher Impuls ist Ihnen für die kommenden Jahre besonders wichtig?
Wir müssen es schaffen, die Mobilität für alle Bevölkerungsgruppen finanzierbar und klimaschonend zu gestalten. Das ist eine große Herausforderung, insbesondere vor dem Hintergrund des demografischen Wandels. Hinzu kommen die erwähnten besonderen „Vorzeichen“ des ländlichen Raums. Hier müssen die Menschen vergleichsweise weite Wege zur Arbeitsstelle oder zum Einkaufen zurücklegen. Damit dieser Individualverkehr möglichst klimaschonend erfolgen kann, bedarf es der Unterstützung von Land und Bund. Das kann ein Kreis nicht alleine stemmen.
Als Landrat gestalten Sie die Mobilitätsentwicklung auf Kreisebene maßgeblich mit. Wie unterstützt der Kreis Höxter seine Städte und Gemeinden konkret dabei, den Fuß- und Radverkehr zu fördern – und wo sehen Sie aktuell die größten Hebel für gemeinsamen Fortschritt?
Wir unterstützen die zehn Städte im Kreis Höxter jedes Jahr mit insgesamt bis zu 100.000 Euro bei ihrer wichtigen Aufgabe, die überörtlichen Radwege zu unterhalten.
Gemeinsam arbeiten wir stetig daran, die Bedingungen für den Alltagsradverkehr zu verbessern. Wir haben das REGIONALE-Projekt „Radnetz OWL“ mitentwickelt und arbeiten an der Umsetzung. Diese Routen in OWL werden in das Radvorrangroutennetz des Landes integriert. Der Kreis Höxter verfügt über ein sehr gut ausgebautes touristisches Radverkehrsnetz. Bedeutende Routen wie der Weser-Radweg, der R1 oder der Diemelradweg verlaufen durch unseren schönen Kreis.
Auf Basis unseres Alltagsradverkehrskonzeptes möchten wir für die Alltagspendler ebenfalls ein gutes Angebot schaffen und das Netz ergänzen. Zudem werden wir unsere Beschilderung auf das Knotenpunktsystem umstellen, um den Fahrradtourismus weiter zu optimieren.
Ebenfalls vernetzen wir uns: In der AG Radverkehr treffen sich regelmäßig alle Baulastträger, die Bezirksregierung als Fördergeber sowie nach Bedarf Verkehrsbehörde und Polizei. Ziel ist es, das Alltagsnetz sukzessive mit Beteiligung aller Baulastträger umzusetzen. Fortschritte können über ein öffentlich zugängliches Online-Dashboard verfolgt werden.
Auch beim Thema Öffentlichkeitsarbeit ziehen wir gemeinsam mit den Städten an einem Strang. In unserem ländlich geprägten Kreis teilen sich Radverkehr und landwirtschaftlicher Verkehr außerorts regelmäßig die Wege. Wir werben durch Kampagnen für gegenseitiges Verständnis. Unser Klimaschutzteam betreibt engagierte Fußverkehrsförderung, zum Beispiel mit Aktionen wie „Kindermeilen“ oder „StadtLandZuFuß“.
Die politische Unterstützung ist groß. Beschlüsse zum Radnetz OWL, zur Umsetzung des Radverkehrskonzeptes und zum Weg in die AGFS NRW wurden jeweils einstimmig vom Kreistag gefasst.